Zeitzeugen im Unterricht

Flucht aus der DDR

Unsere Klasse H10b konnte zum Thema „Von der Teilung zur Einheit Deutschlands“ die verwandtschaftlichen Beziehungen einer Schülerin nutzen und zum zweiten Mal Zeitzeugen in den Geschichtsunterricht einladen. Die Oma und die Mutter einer Schülerin unserer Klasse sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen und später mit der Familie in die BRD geflohen.

Diese Chance nutzten wir und luden Frau Rohrmann und Frau Groenewoud am 11. Dezember 2015 in den Unterricht ein, um uns von ihren Erlebnissen zu berichteten und Fragen zu beantworteten.


Alltag in der DDR

von Kumru Yilmaz, Makbule Yavuz

 

In der Schule gab es jeden Morgen einen Fahnenappell. Da wurde die Fahne gehisst, alle Schüler mussten sich klassenweise aufstellen und es wurde die Hymne gesungen. Außerdem wurde festgestellt, wer fehlte und es gab wichtige Ankündigungen für den Tag.

Danach begann der Unterricht. 

 

Alles was man zum Leben brauchte, wie Grundnahrungsmittel, z.B. Brot, war billig, aber Luxusgüter, wie z.B. Autos, Mode, Pampers … waren sehr teuer. Beispielsweise, eine Jeans kostete 300 Ostmark. Waren aus dem Ausland wurden nicht importiert. Dadurch fehlten sämtliche Konsumgüter, wie z.B. Seife und Südfrüchte.

 

Wenn man ein eigenes Auto kaufen wollte, musste man sich eins bestellen. Es dauerte ca. 10 Jahre bis man ein eigenes Auto bekam. Die Autos waren hauptsächlich die berühmten Trabis.

Außerdem wurden die Bürger von der Stasi bespitzelt und ausspioniert, das heißt, dass die Telefongespräche abgehört wurden und die Bürger täglich unter Beobachtung waren. Um die Leute weiterhin im Auge zu halten versteckte die Stasi Kameras in den Wohnungen / Häusern, sogar in privaten Räumen.  Leute, die von der BRD sprachen oder etwas gegen das System der DDR sagten, kriegten dadurch Probleme, verloren ihre Arbeitsstellen und ihre Kinder kriegten schlechtere Noten in der Schule, manche kamen sogar ins Gefängnis. Wenn es festgestellt wurde, dass ein Bürger fliehen wollte, wurde die ganze Verwandtschaft mit einbezogen und bestraft.


Die Flucht

von Michelle Bächstädt und Aylin Palm

 

Im Jahr 1989 fuhr Frau Rohrmann mit ihren Mann und ihren beiden Kindern, damals vier und elf Jahre alt, in den Urlaub nach Ungarn. Ihr Plan war von Ungarn in die BRD zu fliehen, denn in Ungarn waren die Grenzkontrollen gelockert worden. Sie dachten es gäbe keinen besseren Zeitpunkt als jetzt. Also nahm Frau Rohrmann ihre beiden Kinder an die Hand und sie rannten los. Sie versuchten es über die Grenze, aber es klappte nicht. Am nächsten Tag sahen sie einen Wald und hofften, dass sie dort einen Ausweg finden. Also gingen sie während eines starken Gewitters Richtung Wald und suchten dort einen Weg über die Grenze. Auch der zweite Fluchtversuch ging daneben.    

Sie sammelten sich mit vielen anderen DDR Bürgern in der deutschen Botschaft in Ungarn. Sie hofften dass sie es schaffen werden. Als sie los wollten merkten sie, dass sie nicht die einzigen waren die flüchten wollten. Frau Rohrmann sah ein Auto und der Fahrer sagte, dass er die Kinder mitnehmen könne und sie über die Grenze bringe. Frau Rohrmann überlegte nicht lange und packte ihre Kinder ins Auto und rannte mit ihrem Mann zu Fuß weiter. Und tatsächlich sie schafften es über die Grenze! Aber die Freude hielt nicht lange an, ihre Kinder sah sie nicht. Sie hatte riesige Angst. Auf einmal rannten ihre Kinder aus einer Menschenmasse heraus auf sie zu. Sie umarmten sich und waren froh.

Erst lebten sie in Flüchtlingslagern. Da sie nichts hatten, kümmerte sich der Mann von Frau Rohrmann um einen Job und schließlich fand er einen Platz als Lastwagenfahrer.  Später suchten sie sich eine Wohnung in Bünde und zogen alle zusammen ein. Heute leben sie alle glücklich zusammen. An früher wird kaum bzw. gar nicht mehr gedacht.

 

Ein großes Dankeschön an Frau Rohrmann und an Frau Groenewoud, dass sie sich Zeit nahmen und uns erzählten, wie sie früher geflohen sind.