DORIS SCHRÖDER-KÖPF ÜBERNIMMT ERNEUT DIE SCHIRMHERRSCHAFT FÜR BUCH-PROJEKT

Schülerinnen der AG zu Gast in Hannover

 

In der Lindenschule Buer (Oberschule) arbeitet seit Anfang des Jahres wieder eine Arbeitsgemeinschaft an einem Projekt zur Ortsgeschichte. Nachdem der Band „Angekommen – Buer und seine Gastarbeiter“ nicht nur in der Region große Beachtung erfahren hat, bildete sich wiederum eine Projektgruppe rund um das Team des Jugendwagons Buer, die sich unter dem Titel „Nachgekommen – Frauen-Biografien in der Gastarbeitergeschichte“ mit den persönlichen Geschichten und Erlebnissen der vor vielen Jahren auch nach Buer und Melle gekommenen Menschen beschäftigen. 

Diesmal ist es ein reines Frauen-Projekt, denn es geht um die Geschichten der Frauen, um persönliche Hintergründe, Erlebtes, Erlittenes, Neues, Fremdes, Perspektiven, Chancen – aber auch um den örtlichen Kontext, in dem diese Veränderungen gemeinsam gestaltet werden mussten.

Doris Schröder- Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, erklärte sich gerne bereit, auch für dieses Projekt wieder die Schirmherrschaft zu übernehmen. Bei einem Besuch der Projektgruppe in Hannover zeigte sie sich begeistert von dem Vorhaben:  

„Das Projekt erkundet die Geschichte von Frauen, die auf den unterschiedlichsten Wegen mit ihren Männern – den sogenannten Gastarbeitern – vor mehr als 50 Jahren in das Osnabrücker Land kamen. Die Schülerinnen dokumentieren eine wichtige Epoche deutscher Nachkriegsgeschichte und schaffen ein zeithistorisches Dokument, das nicht nur auf Buer oder dem Landkreis Osnabrück begrenzt ist. Neben dem thematischen Schwerpunkt des Projekts begeistert mich aber noch eine weitere Besonderheit: Die Schülerinnen der Oberschule Buer sind hoch motiviert und haben großes Interesse an der regionalen Zuwanderungsgeschichte. Sie geben damit anonymen Begriffen wie „Migration“ oder „Zuwanderung“ viele menschliche Gesichter. Ich freue mich jetzt schon auf das Projektergebnis.“

 

Die Schülerinnen berichteten über ihre Beweggründe an dem Projekt, das viele  Stunden zusätzliche Arbeit mit sich bringt, teilzunehmen. „Meine Schwester Janne hat bei dem ersten Buchprojekt mitgemacht und immer ganz begeistert davon berichtet, was sie so alles in der AG machen“, erzählt Jule Saßenberg. Ceren Catal hatte den ersten Band in der Sparkasse gesehen und fand das toll: „Meine Oma und mein Opa, die damals als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, sind leider schon verstorben. Ich möchte gerne mehr über die Geschichte der Frauen erfahren.“ 

Auch Tugba Bagsiz ist über ihre Familie zu dem Projekt gekommen: „Meine Oma haben wir in der AG als erste Gastarbeiterfrau interviewt. Sie erzählte, dass sie in den ersten Jahren immer sehr allein und einsam war. Sie hat sich den ganzen Tag auf den Abend gefreut, wenn ihr Mann nach Hause kam und sie gemeinsam eine viertel Stunde türkisches Radio gehört haben. Ich kannte die Geschichte meiner Oma gar nicht und seit dem Interview erzählen wir auch viel in meiner Familie von früher.“ 

 

Sarah Ekeler und Kristin Weber haben sich gleich angemeldet, als die Schulleiterin Frau Grobe die AG in ihrer Klasse vorstellte. Sie hatten von dem ersten Buch-Projekt gehört, und es interessiert sie, wie es den Frauen damals ergangen ist, wie schwer sie es hatten und wie sie sich hier zurecht gefunden haben. Lara Sophie Lohmüller ergänzt: „Mir macht es Spaß mit verschiedenen Menschen zu arbeiten, auch andere Kulturen kennen zu lernen und deren Geschichten zu hören.“ „Wir haben das erste Buch ‚Angekommen’ auch bei uns Zuhause“, berichtet Zekiye Azattemür: „Mein Opa erzählt darin von früher und wie er nach Deutschland gekommen ist. Ich finde aber auch die Geschichte der Frauen interessant, für die war das ja alles noch ganz anders.“

 

Die Schülerinnen wurden bei ihrem Besuch in Hannover begleitet von Annegret Tepe vom Jugendwagon Buer, die diese ambitionierte AG an der Lindenschule leitet, die Kontakte herstellt und Termine organisiert – und die Gespräche dokumentiert. „Ich finde es toll, dass gerade junge Menschen sich für die Geschichten der Frauen, die vor 40 Jahren ihren Männern nach Deutschland gefolgt sind, interessieren und wie die Zeitzeuginnen uns ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Gefühle schildern, und dass wir in den mitgebrachten Fotoalben blättern dürfen. Wir erfahren viele persönliche Geschichten“. Die Gesamtleitung des Projektes und fachliche Begleitung liegt in den bewährten Händen von Uschi Thöle-Ehlhardt: „Mir ist ein offener Projekt-Charakter wichtig, damit wir möglichst authentisch bleiben, und sich die jungen Menschen und unsere Gesprächspartner dort wiederfinden – mit ihnen entwickelt sich das Konzept – eine spannende Herausforderung.“

Für die Lindenschule begrüßt Birgit Meyer das Projekt außerordentlich: Es ist schön zu sehen, wie Geschichte auf einmal lebendig und mit Emotionen gefüllt wird. Die Schülerinnen merken, dass Geschichte nicht nur in alten Büchern zu finden ist, sondern auch vor Ort stattfindet, Freude bereitet oder schmerzt. Dieses Wissen eröffnet einen neuen Blick auf die Geschehnisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.“

Der Landschaftsverband Osnabrücker Land hat für das Projekt den größten Kostenanteil übernommen, weiterhin sind die Stiftung der Sparkassen, die Stadt Melle und der Landkreis Osnabrück mit finanzieller Unterstützung beteiligt.